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Cluj und Rumänien

Cluj ist mit über 3,5*10^5 Einwohnern die dritt- oder viertgrößte Stadt in Rumänien. Allerdings ist die Stadtfläche relativ klein, weil die meisten in großen Wohnsiedlungen wohnen. Jena-Lobeda gibt es hier also in mehrfachter Ausführung.

Unser Studentenwohnheim ist auf dem Gelände der Sportfakultät, soll heißen, hier gibt es einige Fußballplätze, eine Sport- und Schwimmhalle gleich um die Ecke. Das ganze Objekt ist sehr neu und ragt wie ein Elfenbeinturm aus der sonstigen Umgebung heraus. Soweit ich weiß, ist das Studentenheim erst drei oder vier Jahre alt, sodass hier alles noch sehr unabgenutzt wirkt und sehr modern (wir haben Breitbandinternet in unseren Zimmern) ist. Achso, an alle, die sonst was von Rumänien denken. Warmes Wasser und Strom gibt es natürlich auch. Nur die Sicherungen scheinen ein wenig schwach. Ab und zu fliegen sie nämlich mal raus.

Das Zentrum ist nur zwei Straßenbahnstationen entfernt. Aber die Fahrt ist trotzdem ein kleines Abenteuer. Die Straßenbahnen sind alte ausrangierte aus Magdeburg, man hat sogar noch die deutschen Fahrpläne und Preise dranstehen (eine Winterkarte hat irgendwann mal 60 Mark gekostet). Da aber das Gleisbett ziemlich schlecht ist, habe ich manchmal Angst, dass wir bei der einen oder anderen Kurve den Elchtest nicht bestehen, weil man so hin- und hergeschleudert wird. Es gibt hier auch keine Fahr- oder Zeitpläne. Man geht einfach zur Straßenbahnstation und wartet. Meistens dauert es auch nur ein paar Minuten bis eine kommt, sicher kann man sich aber eben nicht sein. Manchmal passiert es auch, dass erst zwei oder drei Straßenbahnen aus der anderen Richtungen kommen, aber daran gewöhnt man sich schnell. Gelegentlich sieht man auch einen Pferdewagen durch die Straßen fahren.

Viele haben aber auch hier ein Auto und der Verkehr ist zu den Stoßzeiten auch kaum zu ertragen. Die Straßen sind auch nicht so gut oder breit und Fahrradfahrer sind auch eher selten. Ich würde zwar gern wieder eine Runde mit meinem Rad drehen, aber hier werde ich mir wohl keines kaufen. Jedenfalls nicht, um in der Stadt zu fahren.

Aber noch einmal kurz zurück zu unserer Wohnung. Als ich hier Ende Januar angekommen bin, habe ich während der ersten vier Wochen einen französischen Mitbewohner gehabt. Gutier ist aber nach dem Sprachkurs nach Bukarest gegangen. Inzwischen habe ich einen neuen Mitbewohner. Ein Landsmann namens Stefan. Wir kommen eigentlich ganz gut aus, auch wenn wir nichts zusammen unternehmen.
Jedenfalls wohnt man hier immer zu zweit in einem 1-Zimmer-Appartement. Wir haben ein "Wohnzimmer" mit unseren zwei Betten und einem Schreibtisch sowie eine kleine Küchennische und ein kleines Bad mit Dusche und Toilette. Achso, ich darf unseren 2 Quadratmeter großen Balkon nicht vergessen. Unseren Ausblick finde ich ganz okay, besser als auf der anderen Seite des Hauses die ganze Zeit die Turnhalle vor Augen zu haben.

Das Zentrum von Cluj ist eigentlich ganz nett. Die Fassaden der Häuser sind zwar nicht mehr ganz so neu und es gibt auch keine Fußgängerzonen, aber es gibt zwei schöne Kirchen, ein ungarisches und ein rumänisches Theater und viele Läden und Cafes, die ganzen Imbissbuden nicht zu vergessen. Es gibt hier zwar keine so tolle Backkultur wie in Deutschland mit Kürbiskern- oder Roggenbrot, aber man kann sich an fast jeder Ecke "prajitura" gefüllt mit "mere" (Äpfel) oder "brânza" (Käse) kaufen, die ganz gut schmecken und im Vergleich zu deutschen Bäckerprodukten sehr günstig sind.
Ansonsten ist das Zentrum weder besonders umwerfend noch abschreckend. Ich laufe auf dem Weg zur Uni immer 10 Minuten durch die Innenstadt und manchmal habe ich das Gefühl, dass alle anderen leider den gleichen Weg wie ich haben.

Wenn man an den Stadtrand fährt kann es allerdings passieren, dass es auf den Straßen keinen Asphalt mehr gibt und man auch sonst stärker mit Armut konfrontiert wird. Oft sieht man auf den Höfen große Maisvorräte aus denen ein traditionelles rumänisches Essen gemacht wird. Für manche gibt es das dann morgens, mittags und abends. Die Zigeunerfamilien sind auch oft sehr stark von der Armut betroffen und obwohl man bei weitem nicht so oft mit Zigeunern konfrontiert wird wie der eine oder andere vielleicht denkt, fallen sie einem im Vergleich zu den Rumänen und Ungarn schon auf.

Ich hoffe, in den nächsten Wochen mehr Unternehmungen in die nähere Umgebung von Cluj machen und vor allem in die Berge wandern gehen zu können. Ich stelle dann natürlich wieder neue Bilder ins Netz.
Also bis bald...


Sebastian Schenker <sebastian (at) asbestian.de>
Last modified: Tue Sep 19 13:29:32 CEST 2006